14.12.2013

Lean Startup

Geboren im Silicon Valley, verbreitet sich der Lean Startup-Ansatz in der weltweiten Gründerszene. Es stellen sich aber die Fragen, ob dieser Ansatz etwas neues ist und ob es auch kritische Bedenken gibt. Was es mit diesem Ansatz auf sich hat, zeigt der folgende Artikel auf.


(Quelle: pandodaily)


Der Lean Startup-Ansatz

Der Lean Startup-Ansatz ist ein Konzept zur Gründung einer Unternehmung. Dabei wird das Ziel verfolgt, mit möglichst wenig Resourcen resp. Kapital auszukommen - deshalb der Begriff "Lean" oder "schlank" auf Deutsch.
Ein zentraler Aspekt vom Lean Startup-Ansatz ist die komplette Orientierung am Kunden. Dieses Paradigma scheint von aussen betrachtet zwar sehr sinnvoll und offensichtlich, geht aber im Eifer eines Startups vielfach verloren oder vergessen. Man ist so sehr von seiner Idee überzeugt, ohne zu merken dass die Kundschaft gar nicht danach fragt. Hinzu kommt noch, dass man während einer Gründung oftmals noch gar nicht genau sagen kann, wer die zukünftigen Kunden sein werden. Denn auch der Business Plan basiert auf zahlreichen Mutmassungen.

Eric Ries, Gründer von verschiedenen Startups und Buchautor von Lean Startup-Literatur, erklärt den Unterschied von Produkt- und Kundenorientierung wie folgt:

"What really matters is having a product that not only you think is great, but customers think is great too. The problem for us entrepreneurs is that we don’t yet know who our customer is. We might have a beautiful business plan, but that’s not more than an assumption, a believe what the future might hold." (Quelle: startwerk.ch)

Um dieser Denkweise gerecht zu werden, werden im Lean Startup-Ansatz die Zyklen der Produktentwicklung möglichst kurz gehalten. Die eigentliche Startup Vision resp. das Gesamtprodukt wird in kleinere Puzzle-Teile gestückelt, welche möglichst schnell am Kunden getestet werden. Die Einführungs-, wie auch die Feedback-Zeiten sind somit wesentlich kürzer.

The Lean Startup (Quelle: AbDevLabs)


Kritische Betrachtung vom Lean Startup-Ansatz

Nun stellt sich die Frage nach der praktischen Anwendbarkeit vom Lean Startup-Ansatz. Die Vorteile scheinen vielversprechend: Mit geringem finanziellem Aufwand werden Ideen entwickelt und am Kunden resp. am Markt getestet. Der Lean Startup-Ansatz hat aber auch seine Grenzen. Nachfolgend werden mögliche Bedenken aufgeführt:

  • Forschung und Entwicklung leiden
    Der Lean Startup-Ansatz zielt auf kurze Entwicklungs- und Einführungszyklen ab. Dies mag für einige Branchen ideal funktionieren, ist aber in anderen Branchen wegen sehr hohen Qualitätsanforderungen gänzlich unerwünscht oder sehr stark reguliert. Mögliche Beispiele könnten die Pharma-, Lebensmittel- oder Maschinenbau-Branche sein. Dort könnten Entwicklungen "am Kunden" sehr teuer werden oder gar Menschenleben fordern. Somit wird klar, dass der Lean Startup-Ansatz ein entsprechendes Qualitätsmanagement vernachlässigt.
  • Behinderung der Innovationskraft
    Es scheint offensichtlich, dass man nicht am Kunden vorbei entwickeln sollte, um erfolgreich zu werden. Es stellt sich jedoch die Frage, wie eine Unternehmung ihre Innovationskraft bewahren kann. Innovation bedeutet eben nicht nur neue Ideen zu schaffen. Diese Ideen müssen sich auch am Markt durchsetzen, um als innovativ zu gelten. Von daher scheint der Lean Startup-Ansatz "nur" auf die Kundenbedürfnisse einzugehen, ohne die komplette Neufindung von Ideen.

    Ein passendes Zitat vom Autobauer, Henry Ford: "Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde." Bekanntlich hat aber Herr Ford nicht schnellere Pferde entwickelt.
  • Eingeschränkte Einsatzgebiete
    Schlussendlich bleibt noch die Frage, in welchen Branchen oder Bereichen denn die Einsatzgebiete von Lean Startup sind. Oftmals werden Beispiele aus der IT-Industrie genannt. Nimmt man diese Beispiele genauer unter die Lupe, fällt vor allem der grosse Anteil von Web 2.0 Unternehmen auf. Hier scheint der Lean Startup-Ansatz auf fruchtbaren Boden gestossen zu sein. Infrastruktur- sowie Soft- und Hardware-Kosten können extrem klein gehalten werden, selbst wenn man schon an einem Produkt-Prototypen entwickelt. Dabei kommen auch diverse Tools zum Einsatz, welche in unserem Artikel Startup Software Tools aufgeführt sind.
    Weitere Unternehmen aus anderen Branchen, welche sich zum Lean Startup-Ansatz bekennen, haben wir bis jetzt nicht gefunden.

Sicherlich sind diese Kritikpunkte nicht abschliessend, sollen jedoch als Denkanstoss für die Lean Startup-Thematik dienen.


Weitere Informationen

  • Lesen Sie in unserem Artikel Startup Software Tools, wie Sie verfügbare Software ideal für Ihr Unternehmen einsetzen können.
  • Steve Blank, Gründer und Buchautor von bspw. "The Four Steps to the Epiphany" Link: Stanford University 
  • Eric Ries, Gründer und Buchautor, The Lean Startup





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